Sozialräumliche Verteilung der Wohnlagen in Berlin
Sozialräumliche Verteilung der Wohnlagen in Berlin Udo Dittfurth, Planergemeinschaft Dubach, Kohlbrenner Einleitung Die Erhaltung beziehungsweise Schaffung gesunder Lebens- und Arbeitsbedingungen ist schon lange ein wichtiges Leitmotiv städtebaulicher und architektonischer Planung. Mit dem Modellvorhaben "Umweltgerechtigkeit im Land Berlin" wird ein wichtiger Beitrag zur Integration gesundheitlicher und umweltbezogener Aspekte in die Arbeit von Stadtentwicklung und Stadterneuerung geleistet. Die unterschiedlichen Baustrukturen haben verschärfende oder abschwächende Einflüsse auf die gesundheitlichen Bedingungen, auf das Wohlbefinden und die Wohnzufriedenheit. Eine Betrachtung der Umweltfaktoren und mögliche Schlussfolgerungen für vertiefende Planungen, Instrumenteneinsatz und Prioritätensetzungen für das Handeln müssen deshalb die städtebaulichen Verhältnisse mit einbeziehen. Das gilt gleichermaßen für die Zahl der tatsächlich Betroffenen und die sozialen Strukturen. Daraus sind Hinweise für die Beurteilung der Wohnlage ableitbar. Wohnlagen Die Wohnlage. bewertet das weitere Umfeld eines Wohnstandortes für den qualifizierten Berliner Mietspiegel (§ 558d BGB). Neben den Attributen Baualter, Gebäudeart, Wohnungsgröße und Ausstattung beeinflusst die Wohnlage ebenfalls die Miethöhe. Der Berliner Mietspiegel unterscheidet zwischen einfacher, mittlerer und guter Wohnlage. In die Differenzierung gehen die folgenden Merkmale ein: Den Berliner Mietspiegel erstellt eine Expertengruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, eines wissenschaftlichen Instituts, der Vermieter- und Mieterverbände, des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg und anderer Institutionen. Die ursprüngliche Wohnlageeinstufung erfolgte mittels sekundärstatistischer Analysen sowie durch Begehungen, im Westteil der Stadt für jede Blockseite, im Ostteil für jede Teilverkehrszelle. Für notwendige Anpassungen beziehungsweise Überprüfungen der Wohnlagen wird ein abgestimmtes Bewertungsverfahren angewendet. Durch die Wohnlage wird eine komplexe Gebietsbeschreibung auf einer dreistufigen Skala abgebildet, die durch andere gebietsbeschreibende Merkmale ergänzt wird und so zu einer differenzierteren kleinräumigen Betrachtung beitragen kann. Beispielhaft ist in Tabelle 1 die Beschreibung der einfachen Wohnlage dargestellt.
Als zusätzliches Attribut wird bei den Wohnlagen eine hohe Verkehrslärmbelastung (Straße, Schiene, Luft) ausgewiesen. Darunter ist ein Gesamtlärmindex LDEN > 65 dB(A) in 24 Stunden beziehungsweise ein Gesamtlärmindex LN > 55 dB(A) in der Nacht (22:00 bis 6:00 Uhr) an mindestens einem Teilstück der Fassade eines zur Adresse gehörenden Gebäudeteils zu verstehen. Mit dem Mietspiegel 2009 wurden dazu erstmals die auf der Grundlage der EU-Umgebungslärmrichtlinie für Berlin berechneten Daten genutzt, sodass sich die Zahl der lärmbelasteten Adressen gegenüber früheren Mietspiegeln erhöht hat. Die ausgewiesene Lärmbelastung an der Adresse ist weder vollständig noch gilt sie zwingend für alle dort liegenden Wohnungen gleichermaßen. Deshalb ist sie nicht Bestandteil der Wohnlagenkategorisierung des qualifizierten Mietspiegels. Im Dezember 2010 lebten in Berlin 42 % der 3,37 Millionen Einwohner unter Adressen mit einfacher, 41 % mit mittlerer und 17 % mit guter Wohnlage. Etwa 960.000 Einwohner (28 %) lebten Ende 2010 an einer verkehrslärmbelasteten Adresse, davon 46 % in einfacher, 37 % in mittlerer und 17 % in guter Wohnlage. Für statistische Darstellungen können die Wohnlagen auf Ebene der "Lebensweltlich orientierten Räume" (LOR) (siehe Beitrag S. 21) aggregiert werden. In Abbildung 1 ist die Verteilung der Einwohnerinnen und Einwohner in den LOR -Planungsräumen dargestellt, die in einfacher Wohnlage leben.
Fazit Neben wohnungsbezogenen Aspekten gehen derzeit bereits unterschiedliche städtebaulich-funktionale Gesichtspunkte in die Bewertung der Wohnlagen ein. Ansätze für die Berücksichtigung gesundheitlich relevanter Faktoren können auf der Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse des Berliner Modellvorhabens weiter ausgebaut und systematisiert werden. Literatur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.) (2009): Mietspiegel 2009, www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/mietspiegel/de/download/Mietspiege12009.pdf (Abrufdatum: 01.03.2011). GEWOS (2009): Endbericht zum Berliner Mietspiegel 2009 Kontakt Udo Dittfurth |
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Planergemeinschaft Kohlbrenner eG |
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